Der Literaturwissenschaftler Herbert Uerlings wehrt sich dagegen, die relativ niedrige Impfquote in Deutschland auf die Tradition der Romantik zurückzuführen. "Die Romantik als angebliches deutsches Verhängnis ist ein Klischee", sagt Uerlings anlässlich des Novalis-Jubiläumsjahrs. Man dürfe romantische Dichter wie Novalis nicht als Etikett oder Stichwortgeber benutzen, um über einen vermeintlichen "Nationalcharakter der Deutschen" zu sinnieren.
Der Literaturkritiker Volker Weidermann hatte Ende Dezember in der Zeit geschrieben, Novalis sei "schuld an der deutschen Impflücke" und an der "deutschen Liebe zum Irrationalismus". Der bei Anthroposophen besonders beliebte Dichter galt lange Zeit als todessüchtiger Schwärmer und mystisch entrückter Poet der Liebe, der die Aufklärung wieder verabschiedet habe.