Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg hält die Wiedereröffnung des zentralen Impfzentrums in der Hansestadt für überflüssig. Die für ältere und immungeschwächte Menschen empfohlenen Auffrischungsimpfungen könnten von den Arztpraxen und bestehenden Einrichtungen übernommen werden, erklärte der Vorsitzende der Ärztevereinigung, Walter Plassmann, am Mittwoch. Dabei sei zu berücksichtigen, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) empfehle, die Auffrischungsimpfung erst sechs Monate nach der Zweitimpfung in Anspruch zu nehmen. Es müssten also nicht schlagartig Hunderttausende von Menschen geimpft werden, sondern es gebe einen kontinuierlichen Fluss von Impfberechtigten.
„Das ist ohne Weiteres in den Hamburger Arztpraxen und mit den weiteren Impfangeboten der Stadt und der Krankenhäuser zu bewältigen“, erklärte Plassmann. Er erinnerte daran, dass die Impfzentren in Deutschland errichtet worden seien, um die Priorisierung der Impfstoffzuteilung zu organisieren. Eine solche Mangelsituation gebe es jetzt aber nicht mehr.
Von der Personengruppe, für die die Stiko die sogenannte Booster-Impfung anrate, sei in Hamburg bereits jeder Zweite mit einer dritten Spritze versorgt worden. Plassmann rief den geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und andere Politiker auf, die Empfehlungen der Stiko ernst zu nehmen. „Es ist nicht nachvollziehbar, wie herablassend diese unabhängigen Mediziner von der Politik behandelt werden“, meinte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg.
Saskia Hassink