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20210422141745

Niedersachsen schwenkt bei Schulen auf Kurs des Bundes ein

06:55
22.04.2021
Niedersachsen will sich bei Schulschließungen nun doch an die Bundes-Notbremse halten. Weiterfürende Schulen sollen wie vom Bund beschlossen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 schließen und nicht ab einem Wert von 100, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag). Zuvor hatte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) noch Distanzunterricht ab einer Inzidenz von 100 angekündigt „Auch wenn ich von alleine nicht auf die 165 gekommen wäre, aber wenn wir dann Veränderungen vornehmen, ist es auch sinnvoll, sich an einer bundeseinheitlichen Grenze zu orientieren“, sagte Tonne.

Ein genaues Datum nannte er nicht. „Wenn es dann doch später wird, ist die Enttäuschung groß. Wir warten jedenfalls keinen Tag länger als nötig, sondern handeln so schnell wie möglich, wenn die Testungen und auch die Meldeketten einwandfrei funktionieren“, sagte der Ressortchef. Zunächst müssten die Tests für Schüler und Lehrpersonal verlässlich funktionieren. Das sei in Niedersachsen noch nicht hundertprozentig der Fall. Es gebe immerhin 3000 Schulen zu beliefern, da ruckele es noch an der einen oder anderen Stelle. 

Ärztegewerkschaft: Corona-Notbremse richtig, aber zu spät

04:31
22.04.2021
Die vom Bundestag beschlossene Corona-Notbremse greift aus Sicht der Ärztegewerkschaft Marburger Bund zu kurz im Kampf gegen die dritte Pandemiewelle. „Die Maßnahmen sind richtig, kommen aber deutlich zu spät und gehen in einzelnen Punkten nicht weit genug. Die Infektionsdynamik hätte schon früher gebrochen werden können“, sagte die Vorsitzende Susanne Johna der „Rheinischen Post“ (Donnerstag). Die Politik habe viel Zeit verstreichen lassen, obwohl es aus der Intensivmedizin deutliche Hilferufe gegeben habe. Jetzt sei das Personal in vielen Krankenhäusern wieder extrem belastet, und Kliniken kämen an Kapazitätsgrenzen - nicht nur bei Covid-19-Patienten.

Johna äußerte die Hoffnung, „dass die Menschen noch einmal diese Kraftanstrengung mitmachen und mithelfen, die dritte Welle zu brechen“. Schon jetzt seien Verlegungen von Patienten in weit entfernte Krankenhäuser an der Tagesordnung. „Eine solche Krisenmedizin kann niemand wollen“, sagte sie.

Weniger alarmiert äußerte sich der Chef von Deutschlands größter Krankenhauskette Helios. „Wirklich dramatisch ist die Lage derzeit nicht, auch wenn vor allem unsere großen Krankenhäuser jetzt wieder sehr viele Covid-Patienten behandeln“, sagte Francesco De Meo der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die Fallzahlen lägen derzeit insgesamt noch unter dem, was die Häuser während der zweiten Welle im Winter bewältigt hätten. Er glaube, es ergebe wenig Sinn, „den Leuten zusätzliche Angst zu machen, solange wir uns auf dem Niveau der zweiten Welle bewegen“. Er fügte an: „Unsere professionelle Wahrnehmung ist: Es gab immer schon volle Intensivstationen, das ist nichts Neues.“ Es funktioniere aber gut, Patienten auf Krankenhäuser mit freien Kapazitäten zu verlegen. In Deutschland verlege man auch schnell Patienten auf die Intensivstation. Ob das auch zu einem besseren Versorgung führe, müsse man erst noch sehen.