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Söder: Praktisch „Lockdown“ für Kreis Berchtesgaden

12:47
19.10.2020
Im Kampf gegen die extrem gestiegenen Corona-Infektionszahlen im oberbayerischen Landkreis Berchtesgaden will Ministerpräsident Markus Söder (CSU) praktisch einen „Lockdown“ verhängen. Es werde ein Maßnahmenpaket geben, „das einem Lockdown entspricht“, sagte Söder. Das Robert Koch-Institut meldete am Montag für den Landkreis Berchtesgaden eine Sieben-Tage-Inzidenz von 252,1 - das war zunächst ein bundesweiter Rekord.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) solle gemeinsam mit dem Landkreis und der Regierung von Oberbayern die Details ausarbeiten. Das öffentliche Leben müsse im Kreis Berchtesgaden heruntergefahren werden. „Anders geht es nicht“, sagte Söder. Die Kontakte der Infizierten könnten dort nicht mehr verfolgt werden. „Also müssen Kontakte fundamental beschränkt werden“, sagte er. Es werde sehr konsequent und sehr deutlich reagiert werden. „Es wird das härteste Protokoll sein, das wir jetzt an der Stelle haben werden.“

Der Kreis Berchtesgaden ist mit einer Bevölkerungsdichte von 126 pro Quadratkilometer vergleichsweise dünn besiedelt. Wie es zu der Infektionswelle kommen konnte, ist nicht genau geklärt. „Ausgangspunkt war auch wieder eine entsprechende Party“, sagte Söder. Möglicherweise kommen weitere Infektionsherde infrage.

Auch die Nähe zu Österreich dränge zu einschneidenden Maßnahmen, sagte Söder. Wenn jetzt nicht konsequent gehandelt werde, sei die hohe Zahl nicht mehr zu reduzieren.

Jan-Felix Jasch

Intensivmediziner zu Corona-Lage: Panik nicht angebracht

12:22
19.10.2020
Mediziner warnen angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens und der Lage in deutschen Krankenhäusern vor Panik. „Wir sollten wachsam sein, aber nicht panisch“, sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie an der München Klinik Schwabing, während einer Online-Pressekonferenz von Intensivmedizinern am Montag. Grundsätzlich sei die Lage in den deutschen Krankenhäusern bis auf wenige regionale Ausnahmen vergleichsweise ruhig. Trotz neuer Rekordzahlen bei den Neuinfektionen in den vergangenen Tagen könnten die Bundesländer aktuell genügend Intensivbetten vorhalten.

„Wir sind quasi fünf Wochen hinter dem, was wir zum Teil in unseren Nachbarländern sehen“, führte Wendtner weiter aus. Neben den Bettenkapazitäten müsse es aber auch „die Menschen hinter den Maschinen geben“. Entsprechendes Personal müsse einkalkuliert werden, um auch Patienten mit Nicht-Corona-Erkrankungen zu versorgen. Es dürfe keiner „hinten runterfallen“. Außerdem betonte Wendtner, dass die Gesellschaft weiterhin mitgenommen werden müsse, da er bei vielen schon eine gewisse „Corona-Müdigkeit“ feststelle.

Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin betonte, wie wichtig eine Herangehensweise ohne Panik sei. Das Frühjahr habe „uns alle ziemlich gerade gerückt“, sagte Janssens. Seine Kollegen und er seien aber dennoch zuversichtlich: „Ich kenne keinen Einzigen, der sagt, das wird eine Katastrophe werden.“ Derzeit blicke man zwar mit Anspannung in die Zukunft. „Wir werden das aber mit Sicherheit schaffen“, betonte Janssens.

Sarah Haferkamp