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Fahrlässige Tötung – Justiz ermittelt nach Coronaausbruch in Lokal

12:14
09.09.2020
Nach dem Corona-Ausbruch in einem Restaurant in Ostfriesland im Mai ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung. Alle damals Anwesenden sollten vernommen werden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Aurich am Mittwoch. Sie nannte den Namen des niedersächsischen Lokals nicht. Nach einem Bericht der Ostfriesen-Zeitung“ handelt es sich um die „Alte Scheune“ in Moormerland (Kreis Leer). Dort hatten sich bei einer Feier mehr als 30 von 50 Gästen infiziert, zwei der Infizierten starben später.

Der Verdacht richte sich gegen unbekannt, sagte die Sprecherin. „Im Moment haben wir nur Zeugen, die vernommen werden. Wir haben keinen Beschuldigten.“ Eine Möglichkeit schuldhaften Verhaltens sei, wenn jemand zu der Feier gegangen sei, obwohl er schon verdächtige Symptome aufwies. Die Polizei solle den Ablauf des Abends möglichst genau rekonstruieren, sagte sie.

Nach Kenntnisstand vom Mai hatten drei Gäste vor dem Abend Symptome gezeigt, die auf eine Covid-19-Erkrankung hindeuteten. Wegen des Corona-Ausbruchs in der geschlossenen Gesellschaft waren etwa 200 Menschen in Quarantäne gekommen, darunter auch Mitarbeiter der Meyer-Werft in Papenburg. Der Restaurantbetreiber betont, er habe stets alle Hygienerichtlinien im Bezug auf das Coronavirus befolgt.

Patricia Friedek

Corona-Impfstoff: EU will von Biontech bis zu 300 Millionen Dosen

11:55
09.09.2020
 Im Kampf gegen das Coronavirus will die EU-Kommission von der Mainzer Firma Biontech bis zu 300 Millionen Einheiten Impfstoff bestellen. Im Idealfall sollen noch vor Jahresende die ersten Impfstoff-Dosen in Europa verfügbar sein, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Voraussetzung ist der erfolgreiche Abschluss von Tests und die Zulassung des Impfstoffs, die der Hersteller bereits im Oktober beantragen will.

Nur Impfstoffe werden aus Sicht von Experten die weltweite Pandemie letztlich eindämmen und weitere verheerende wirtschaftliche Folgen vermeiden. Die EU-Kommission sondiert deshalb schon jetzt mit Pharmaherstellern. Inzwischen hat sie Gespräche mit sechs Firmen abgeschlossen.

Vertrag mit Atra Zeneca

Mit dem Biontech-Konkurrenten Astra Zeneca gibt es bereits einen Vertrag über die Lieferung von bis zu 400 Millionen Impfstoff-Dosen. Allerdings hat Astra Zeneca klinische Tests mit seinem Impfstoff-Kandidaten nach gesundheitlichen Problemen eines Probanten gerade vorsorglich gestoppt. Das dämpft Hoffnungen.

Auch bei Biontech, das für den Impfstoff mit dem US-Pharmakonzern Pfizer zusammenarbeitet, stehen die Lieferpläne unter Vorbehalt der nicht abgeschlossenen klinischen Tests. Nach Unternehmensangaben wurden weltweit 25 000 Probanden rekrutiert. Derzeit laufe die zweite Immunisierung mit dem Impfstoff-Kandidaten namens BNT162b2. Bei Erfolg und rascher Zulassung sollen davon noch dieses Jahr in Deutschland und Belgien bis zu 100 Millionen Einheiten produziert werden und dann bis Ende 2021 insgesamt 1,3 Milliarden. Produktion und Lagerung hätten schon begonnen, teilte das Unternehmen mit.

Möglichst viele Lieferverträge

Die EU-Kommission verfolgt die Strategie, vorsorgliche Lieferverträge für möglichst viele der weltweit acht bis neun aussichtsreichen Impfstoff-Kandidaten gegen das Coronavirus abzuschließen, obwohl auch Fehlschläge darunter sein könnten. Ziel ist, die Entwicklung mit Vorabzahlungen zu beschleunigen und mit zu den ersten zu gehören, die die Mittel beziehen können.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn begrüßte die Nachricht aus Brüssel. Biontech/Pfizer mache vielversprechende Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung. „Mit der Unterstützung Deutschlands hat die EU sich in Verhandlungen jetzt bis zu 300 Millionen Dosen reserviert“, erklärte der CDU-Politiker. Das sichert allen EU-Bürgern den Zugang auch zu diesem Impfstoff.“

Die EU will von Biontech/Pfizer zunächst 200 Millionen Impfstoff-Dosen und die Option weitere 100 Millionen Dosen. Da zweimal geimpft werden muss, würde die Gesamtmenge rechnerisch für 150 Millionen der 450 Millionen Menschen in der EU reichen.

Patricia Friedek