Die wirtschaftlichen Corona-Folgen drohen sich nach Einschätzung von Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann nochmals zu verschärfen. Der CDU-Politiker sagte dem NDR, er gehe für das Land inzwischen von einer um 8 bis 10 Prozent geringeren Wirtschaftsleistung in diesem Jahr aus. Das wäre ein stärkerer Abschwung als in etlichen bisher angenommenen Szenarien. So gingen etwa die niedersächsischen Industrie- und Handelskammern (IHKN) für 2020 von einem Minus von bis zu 8 Prozent aus.
Althusmann mahnte im Sommerinterview des Senders in Hannover, man müsse nun aufpassen, dass infolge der Rezession bei betroffenen Beschäftigten aus Kurzarbeit nicht Langzeitarbeitslosigkeit werde: „Es kommt die größte Insolvenzwelle auf Deutschland und damit auf Niedersachsen zu, die wir wahrscheinlich in den letzten Jahrzehnten erlebt haben.“ Bis zu 5000 Betriebe im Land könnten pleitegehen. „Wir werden wahrscheinlich nicht jedes Unternehmen retten können.“
Erste „Silberstreifen“ zeigten sich aber auch in manchen Branchen wie der Autoindustrie und beim Bau von Kreuzfahrtschiffen. Kleinere Autozulieferer, Gastronomen, Schausteller oder die Messewirtschaft hätten es dagegen nach wie vor schwer.
Der niedersächsische Vize-Regierungschef bekräftigte seine Aufforderung an Urlauber, auf nicht nötige Reisen in Risikogebiete mit erhöhten Corona-Infektionszahlen zu verzichten. „Ich finde, die Botschaft muss jetzt eigentlich lauten: Bitte meidet doch in diesem Jahr die Hochrisikogebiete und bringt uns in Deutschland nicht noch in eine stärkere Gefahr.“ Er hatte bereits angeregt, über eine Kostenbeteiligung oder Bezahlung von Coronatests durch Reisende nachzudenken. Wer sich bewusst ins Risiko begebe, könne die Finanzierung des Tests nicht an die Allgemeinheit abtreten.