Vom Glauben reden ist gar nicht sooo schwer. Ein paar Kleinigkeiten sind dabei allerdings schon zu beachten. Hier mein ABC der Glaubenskommunikation. Zu guter Letzt: Z wie Zeugnis
Zeugnis geben von dem, was man mit Gott erlebt hat – vielleicht ist das die Urform der Glaubenskommunikation. Auf jeden Fall ist einer der ältesten Texte der Bibel genau das: ein Glaubenszeugnis. Nach dem Durchzug des Volkes Israel durch das Schilfmeer sang Mirjam:
Singet dem Herrn, denn hoch erhaben ist er;
Ross und Reiter warf er ins Meer. (2.Mose 15,21)
Mit diesem Lied, dem „Lied der Mirjam“, legte sie Zeugnis davon ab, was sie mit Gott erlebt hatte. Die, die es hörten, stimmten mit ein. Das Lied war beliebt, denn Mirjams Glaubenszeugnis stärkte auch ihren Glauben.
Zeugnis geben, das kann jeder, der etwas mit Gott erlebt. Der eine überlebte einen Verkehrsunfall, die andere überstand eine Phase der Magersucht, der dritte musste seine Wohnung räumen, fand nach langem Suchen eine neue Wohnung und sieht darin Gottes Führung am Werk, die vierte fand Erfüllung in einer Berufung… Wer im Alltag mit Gott lebt, wird Dinge mit ihm erleben, die den Glauben fördern. Wenn er sie mit anderen teilt, dann multipliziert sich der Effekt.
Zeugnis geben, das geschieht oft spontan. So wie Mirjam noch an Ort und Stelle ihr Lied anstimmte, kann es auch heute jederzeit geschehen. In einem Gottesdienst steht plötzlich jemand auf und fängt einfach an zu reden: „Das muss ich euch erzählen…“. Oft sind das besonders eindrückliche Momente.
Zeugnisse haben häufig eine so starke Wirkung, dass das Zeugnisgeben einen festen Platz verdient. So gibt es Gottesdienste, in denen regelmäßig jemand aus dem Gebetsteam davon berichtet, wie Gott Gebete erhört und ganz konkret in das Leben von Menschen hineinwirkt. Bei Jugendcamps gibt es manchmal eigens einen Zeugnisabend. Da teilen dann Jugendliche, was sie mit Gott erlebt haben. Solche Abende gehören meistens zu den spirituellen Höhepunkten eines Camps. Hier ist geradezu mit den Händen zu greifen, wie sich am gelebten und bezeugten Glauben neuer Glaube entzündet.
Natürlich beschränkt sich die Kommunikation des Evangeliums nicht auf das Zeugnisgeben. Es kommt vor, dass unreflektierte Glaubenserfahrungen einer kritischen Prüfung nicht standhalten. Manche ‚wunderbare‘ Erfahrung erweist sich auf den zweiten Blick als Einbildung.
Fehlt die kritische Reflektion, so entsteht leicht so etwas wie Hysterie; die Erwartung, eine bestimmte Erfahrung zu machen, bringt dann die entsprechenden Symptome selbst hervor. Das gilt wohl auch für das Zeugnisgeben selbst: Wenn erwartet wird, dass ständig jemand etwas zu berichten hat, kann Druck entstehen, und dann ist es manchmal mehr der Druck, der zum Zeugnis führt, als das Erlebte selbst.
Ebenso problematisch ist es aber, wenn der Glaube nicht „durch das Leben“ geht. Dann „läuft er Gefahr, nur den Kopf anzusprechen, ohne das Herz zu berühren“. (Papst Franziskus, Predigt zum Abschluss der Weltbischofssynode zu Jugend und Berufung, Rom 28.10.2018, zitiert auf www.kath.net/news vom 28.10.2018 (gelesen am 15.4.2019))
Es ist so wichtig, dass Glaubensleben und Glaubensreflektion Hand in Hand gehen! Für die eher kopflastige Glaubenskommunikation in der (evangelischen) Kirche bedeutet das aber vor allem: Mehr Mut zur Glaubenserfahrung und zum Zeugnis! #Glaubenskommunikation #zeugnisgeben #mutzumzeugnis #evjulife