Vom Glauben reden ist gar nicht sooo schwer. Ein paar Kleinigkeiten sind dabei allerdings schon zu beachten. Hier mein ABC der Glaubenskommunikation. Heute: T wie Timing.
Vor einigen Jahren verunglückte ein junger Mann aus meinem Ort mit dem Auto. Mir kam die Aufgabe zu, das Trauergespräch mit den Eltern zu führen. Was sagt man Menschen, die gerade ihr Kind verloren haben? Was kann da trösten? Ist es überhaupt richtig, gleich etwas Tröstendes zu sagen? Ich hatte keine Ahnung! In meiner Hilflosigkeit sagte ich erst mal genau das: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“ Doch gerade dieses Eingeständnis öffnete das Gespräch. Es gab den Eltern ihrerseits Gelegenheit zu reden. Und es schuf Raum für den Schmerz, der ja erst einmal ausgehalten werden muss.
Später fand ich dann doch noch tröstende Worte für die Eltern. Aber im Rückblick war ich froh, damit nicht gleich ins Haus gefallen zu sein. Es wäre einfach noch nicht die Zeit dafür gewesen. Und so handelte ich instinktiv ähnlich wie Hiobs Freunde, als sie Hiob besuchten: Am Anfang schwiegen sie erst einmal. Erst nach einer ganzen Weile (in diesem Fall sieben Tage!) fingen sie an zu reden. (Hiob 2,11-13)
Wenn das Evangelium zum Ziel kommen soll, braucht es ein gutes Timing. Das heißt natürlich nicht, dass es immer erst dran ist zu schweigen. Es kann im Gegenteil sehr wichtig sein, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und keine Zeit zu verlieren. Ein Pfarrer erzählte etwa von einem Gespräch an der Supermarktkasse, bei dem irgendwie das Stichwort Taufe fiel. Die Frau, die hinter ihm in der Schlange stand, meinte: „Eigentlich schön, wenn man sein Kind taufen lassen kann! Ich bin ja nicht in der Kirche…“ Der Pfarrer meinte bloß: „Stimmt schon“ Oder „Ja, ja…“ – und weg war er. Erst hinterher wurde ihm klar, was das gerade für eine Gelegenheit gewesen war. Eine Gelegenheit, die für die Frau so schnell nicht wiederkommt – wenn überhaupt jemals!
Wenn das Zeitfenster geöffnet ist, spricht die Bibel vom „Kairos“. Kairos ist günstige, gelegene Zeit – im Unterschied zur gemessenen, linearen Zeit, dem Chronos. Als Jesus den Zachäus auf seinem Baum entdeckte und sich bei ihm einlud, da schien es, als hätte Zachäus genau darauf gewartet. (Lukas 19) Er war bereit zur Umkehr, und das hatte Jesus offenbar erkannt. Es war der richtige Zeitpunkt, der Kairos. Als Jesus dagegen den „reichen Jüngling“ zur Umkehr aufforderte, verpasste dieser den Kairos. Er war so nah dran gewesen, doch jetzt war es vorbei! (Matth 19,16-26)
Um den Kairos zu finden und zu nutzen braucht es nicht nur die richtigen Worte, sondern offene Ohren! Wie viele Worte gehen ins Leere, weil sie die Situation nicht treffen! Worte, die aus dem Hören kommen, haben schon alleine deshalb mehr Gewicht, weil sie nicht in der Vielzahl ungefährer Worte untergehen. Worte müssen reifen. Davon abgesehen: Wenn jemand seine Redezeit hatte, ist er auch eher bereit, seinerseits zuzuhören.
Das Timing des Evangeliums hat meistens auch etwas damit zu tun, auf den richtigen Moment zu warten: auf den Moment des Redens, des Säens, aber auch auf den Moment des Nachhakens und des Erntens. #timing #glaubenskommunikation #kairos #evjulife #redecoach