Vom Glauben reden ist gar nicht sooo schwer. Ein paar Kleinigkeiten sind dabei allerdings schon zu beachten. Hier mein ABC der Glaubenskommunikation. Heute: S wie Schwelle.
Samuel Harfst berichtet in seinen Konzerten gelegentlich davon, wie er einmal drauf und dran war, ein Konzert abzubrechen bzw. gar nicht erst zu beginnen. Der Konzertsaal war schon voll, alle fieberten ungeduldig seinem Auftritt entgegen – doch Samuel war wie blockiert. „Denn der Herr tut heute Wunder, Stunde um Stunde, Tag für Tag…“ – diese Botschaft wollte ihm an diesem Tag nicht über die Lippen kommen. Er stand in dem Moment einfach nicht dahinter.
„Der Herr tut heute noch Wunder“ – das gehört auch zum Evangelium und damit zur Botschaft von Evangelisten. Das Wunder der Erlösung, der Vergebung, der Gottesbegegnung – wie auch immer der Begriff des Wunders im Einzelnen gefüllt wird, eins ist klar: Evangelisation ist im Kern ein Versprechen: das Versprechen, dass das Leben mehr ist als das Auge sieht und das Herz ahnt. Versöhnung ist möglich, Glaube, Liebe und Hoffnung sind möglich und machen das Leben erst lebenswert, schon hier und jetzt – und dann erst recht. „Leben in Fülle“.
Das ist die Theorie. Doch die Praxis sieht oft anders aus. In der Praxis steht man eben nicht immer dahinter. In der Praxis ist man manchmal gar nicht frei, hinzugehen und zu predigen. Denn es ist schon wieder eine ganze Weile her, dass man das selbst so gespürt hat, und der Draht nach oben ist gerade alles andere als heiß. Denn zuhause ist das Kind krank und die Frau fühlt sich im Stich gelassen. Denn Schuldgefühle lähmen die Zunge. Denn es fehlen einfach die Worte, warum auch immer.
Leben in Fülle? Plötzlich erscheint das Versprechen so leer.
Es gibt noch weitere Schwellen, die der Kommunikation des Evangeliums im Wege stehen:
- Berührungsängste, weil das Thema Religion im Grunde ein sehr intimes ist, über das viele gar nicht oder nur ungern sprechen;
- die Angst davor, als sendungsbewusster Fanatiker abgestempelt zu werden;
- die Angst davor, als dummer Spinner abgetan zu werden.
Wenn solche Ängste und Blockaden den Boden, auf dem man steht, unsicher machen, hilft es, den Blick zu heben und auf Christus zu schauen – so wie Petrus, als er im Wasser zu versinken drohte. (vgl. Matth 14,30) Das Evangelium ist eine „Kraft Gottes“, die größer ist als alles, was sich ihr entgegenstellt – größer auch als die größten Selbstzweifel! Wer das weiß, kann das Evangelium selbstbewusst aussprechen, ohne Scham und ohne Angst vor frommen oder intellektuellen Kritikern. (vgl. Römer 1,16)
Als Samuel Harfst sein Konzert abblasen wollte, überredete ihn sein Bandkollege Dirk Menger dazu, wenigstens einen einzigen Song zu spielen, damit die Fans nicht völlig umsonst angereist sind. Samuel ließ sich darauf ein. Doch am Ende des Songs leitete Dirk gleich zum zweiten Song über, und dann zum dritten… Er überlistete den Samuel quasi zum Bleiben, und am Ende spielten sie das komplette Konzert. Die Botschaft des Evangeliums entfaltete ihre Kraft – nicht nur für die Zuhörenden, sondern auch für den „Evangelisten“, wenn man Samuel Harfst einmal so bezeichnen darf.
Es zeigt sich: Das Evangelium zu bezeugen ist nicht nur Aufgabe, sondern auch Gabe. Wer die Schwelle überwindet und es weitergibt, wird selbst davon erfüllt. #glaubenskommunikation #schwelle #redehemmung #samuelharfst #evjulife #redecoach