Vom Glauben reden ist gar nicht sooo schwer. Ein paar Kleinigkeiten sind dabei allerdings schon zu beachten. Heute: E wie Efungelisation.
Als der Liedermacher Arno Backhaus 1986 einen Auftritt in Bamberg hatte und bis dahin noch ein paar Stunden Zeit hatte, hatte er Langeweile. Man könnte auch sagen, er wurde von einer heiligen Unruhe gepackt. Wenn man den hyperaktiven Mann kennt, ist es wohl am Treffendsten zu sagen, dass es eine Mischung aus beidem war: Langeweile und heilige Unruhe.
Langeweile macht bekanntlich kreativ. Und so ließ sich der missionsbegeisterte Backhaus eine Aktion einfallen, um mit den Menschen in Bamberg ins Gespräch über Gott und die Welt zu kommen. Er organisierte eine Schale mit Kleingeld und beschrieb ein Schild mit den Worten: „Ich bin reich beschenkt – bitte bedienen Sie sich!“ Es dauerte nicht lange, da hatte sich eine ganze Schar Neugieriger um ihn versammelt und diskutierte mit ihm über Geiz und Großzügigkeit, über Fluch und Segen von Geld und Reichtümern und auch über den Geber aller Gaben – Gott. Sogar die Polizei wurde auf die Aktion aufmerksam. Die Polizisten waren so verunsichert, dass sie vorsichtshalber gleich mal das Geldverschenken verbieten wollten. So etwas müsse gefälligst beim Ordnungsamt angemeldet werden!
An diesem Tag war die Methode der Efungelisation geboren. „Efungelisation“, das ist so eine typische Wortneuschöpfung von Arno Backhaus. Der bezeichnet sich auch gerne als „Missio-Narr“, und das trifft die Sache auf den Punkt. Arno Backhaus ist närrisch, wenn es um Mission und Evangelisation geht. Er brennt dafür, Menschen für Gott zu gewinnen. Und er ist ständig auf der Suche nach neuen Ideen für Aktionen, die geeignet sind, um Menschen neugierig zu machen und ins Gespräch zu verwickeln.
Die Aktion mit dem Geld ist natürlich der Klassiker. Als ich selbst sie das erste Mal ausprobierte, dauerte es gerade einmal zehn Minuten, bis ich mit einer jungen Frau im Gespräch war. Sie wollte wissen, wie das gemeint ist: „Ich bin reich beschenkt“. Ich wollte gerade einige von den Dingen aufzählen, die ich in meinem Leben als Geschenk empfinde. Doch schon nach dem ersten Punkt – „ein intaktes Elternhaus“ – hakte sie ein: „Siehst du, und das unterscheidet uns. Darf ich mich mal zu dir setzen?“ Sie durfte, und wir redeten fast eine Stunde. Am Ende hatte ich das Gefühl, dass ihr das Gespräch Mut gemacht hatte, es mit dem Glauben noch mal zu versuchen.
Sehr interessant finde ich auch die Aktion „Ich bin eine Sehenswürdigkeit“. Man muss natürlich ein dickes Fell haben, wenn man sich damit in die Fußgängerzone stellt. Denn nicht alle Passanten sehen das so. Aber es geht ja auch gar nicht um Attraktivität, sondern, eben, um Sehenswürdigkeit. Und „des Sehens würdig“ bin ich schon – wie übrigens jeder Mensch auf dieser Welt. Denn jeder Mensch ist nach Gottes Bild geschaffen und trägt etwas von dieser Gottebenbildlichkeit in sich – worin auch immer die nun eigentlich besteht. (Das ist übrigens eine Frage, über die man früher oder später zwangsläufig mit den Leuten ins Gespräch kommt.)
Abgesehen von dem dicken Fell braucht man noch ein paar andere Dinge, damit die Sache funktioniert: eine belebte Fußgängerzone in einer größeren Stadt, einen geeigneten Platz, eine Portion Geduld, gute Rückfragen, um das Gespräch am Laufen zu halten, vor allem aber die richtige Haltung: nicht von oben herab, sondern zugewandt, nicht belehrend, sondern interessiert, nicht schüchtern, sondern mutig und ein bisschen frech. Wenn all das gegeben ist, kann das mit dem Evangelisieren tatsächlich zu einem großen Spaß werden – E-fun-gelisation eben!
Weitere Infos unter e-fun-gelisation.de. #evjulife