Bild VI/8
Maria gar frolich emphingk elizabet
Maria grüßt freudig Elisabet
Auf Bild VI/6 folgt auf dem Tuch als nächstes die Geburt Jesu und danach der Besuch Marias bei ihrer Cousine Elisabet (Mariä Heimsuchung). Hier ist dem Meister (oder dem Lehrling?) ein Fehler unterlaufen. Die Bildunterschriften stehen richtig, aber die Bilder sind vertauscht. Mariä Heimsuchung (Bild VI/8) muss natürlich nach der Botschaft des Engels an Maria (Bild VI/6) folgen und nicht nach Jesu Geburt (Bild VI/7). Der Meister hat den Fehler korrigiert, indem er am unteren Rand des achten Bildes ein „A“ und des siebenten Bildes ein „B“ setzte.
Das Treffen der beiden schwangeren Frauen beschreibt das Lukasevangelium wie folgt:
„Bald danach machte sich Maria auf den Weg und eilte zu einer Stadt im Bergland von Judäa. Dort ging sie in das Haus von Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet ihren Gruß hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde sie vom Geist Gottes erfüllt und rief laut: «Gesegnet bist du von Gott, auserwählt unter allen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! Wie komme ich zu der Ehre, dass die Mutter meines Herrn mich besucht? Ja, das bist du; denn in dem Augenblick, als dein Gruß an mein Ohr drang, machte das Kind einen Freudensprung in meinem Leib. Du darfst dich freuen, denn du hast geglaubt, dass sich erfüllen wird, was der Herr dir ankündigen ließ. «
Maria aber sprach: «Mein Herz preist den Herrn, alles in mir jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter! Ich bin nur seine geringste Dienerin, und doch hat er sich mir zugewandt. Jetzt werden die Menschen mich glücklich preisen in allen kommenden Generationen; denn Gott hat Großes an mir getan, er, der mächtig und heilig ist. Sein Erbarmen hört niemals auf; er schenkt es allen, die ihn ehren, von einer Generation zur andern.
Jetzt hebt er seinen gewaltigen Arm und fegt die Stolzen weg samt ihren Plänen. Jetzt stürzt er die Mächtigen vom Thron und richtet die Unterdrückten auf. Den Hungernden gibt er reichlich zu essen und schickt die Reichen mit leeren Händen fort. Er hat an seinen Diener Israel gedacht und sich über sein Volk erbarmt. Wie er es unsern Vorfahren versprochen hatte, Abraham und seinen Nachkommen für alle Zeiten.«
Maria blieb etwa drei Monate bei Elisabet und kehrte dann wieder nach Hause zurück.“
(Lk I, 39-56)
Im Unterschied zu der Schilderung in der Bibel stellt der Maler die Begegnung nicht im Hause des Zacharias, sondern in der freien Landschaft dar. Und wieder scheint er sich dabei am Zittauer Gebirge zu orientieren. Man könnte meinen, die beiden schwangeren Frauen treffen sich am Fuße des Berges Oybin. Freundschaftlich fassen sie sich bei den Händen. Elisabet – rot gewandet – hat die Haare als verheiratete Frau unter einem Tuch verborgen, Maria dagegen trägt sie als Zeichen ihrer Jungfräulichkeit offen. Ihr vornehmes blaues Gewand wirkt mit der angedeuteten Schleppe beinahe wie ein Brautkleid. Die Häupter der beiden Frauen ziert ein Heiligenschein.
Bei unserer Reise durch Israel stand auch das inzwischen nach Jerusalem eingemeindete Dorf En Kerem auf dem Programm. Hier wird die Begegnung der beiden Cousinen sowie die Geburt Johannes des Täufers verortet. Pilgergruppen aus aller Welt besuchen die jahrhundertealten heiligen Stätten. Dazu gehören die Kirche über der Höhle, in welcher Elisabet Johannes gebar, die Kirche Mariä Heimsuchung und die Quelle, aus der die Jungfrau Maria bei ihrem Besuch getrunken haben soll. Sie stammt wohl wirklich aus archaischer Zeit, denn der Name En Kerem bedeutet „Quelle des Weinberges“. In den engen Straßen des charmanten Bergdorfes gibt es Kunstgalerien und Läden, in denen handbemalte Fliesen und Schmuck verkauft werden sowie kleine Cafés und stilvolle mediterrane Restaurants.
Reihenfolge der Bilder
1. Maria grüßt freudig Elisabet, Bild VI/8 (Zustand 1907)
2. Maria grüßt freudig Elisabet, Bild VI/8 (aktueller Zustand)
3. En Kerem, Kirche Johannes des Täufers
4. En Kerem, Kirche Mariä Heimsuchung
5. En Kerem, Marienquelle
6. En Kerem, Straßencafé