ECHO
Ausstellung von Jens Rausch im Schloß Königshain
vom 9. August – 6. September 2020
Auf Einladung des Kulturamtsleiters des Landratsamtes Görlitz, Joachim Mühle, stellt der junge Ausnahmekünstler Jens Rausch aus Hamburg im Schloß Königshain einen Teil seiner außergewöhnlichen Arbeiten aus.
Jens Rausch, Jahrgang 1976, hat nach einem Studium der Sozialpädagogik und einem weiterführenden Studium der Kunsttherapie und Kreativpädagogik seine Passion für die gestaltende Kunst entdeckt und als Audiodiktat neue Wege der künstlerischen Gestaltung entwickelt. In der Analyse und im spielerischen Experiment geht er den natürlichen Prozessen wortwörtlich auf den Grund. Sucht nach Materialien, die den jeweiligen Sujets entsprechen, akzeptiert deren mitunter nicht ganz einfach zu bewerkstelligenden materiellen Eigenschaften derart, dass sie als Urstoff für sein Werk zum Tragen kommen. So erwachsen beispielsweise aus Materialien, die einst selbst Wald waren, jene sogenannten Alchemistischen Mischwälder: Bild-Werke aus Asche, Bitumen, Ruß, Kohlenstoff, die sich chemisch-physikalisch zu einem Wald formieren, sich jedoch bei näherer Betrachtung zu abstrakten Formen und Strukturen auflösen. Oder der Künstler birgt aus Marmormehl, Gips, Grafit, Kalk, Blei und anderen Bergmaterialien seine Gebirge und nennt diese Werkserie treffenderweise BERGE. Immer wieder sind es hier auch plastische, gar wortwörtlich bildhauerische – Arbeiten; geborgen aus den materiellen Eigenschaften selbst. Das Werk erschafft sich dabei gewissermaßen nahezu aus sich selbst heraus, indem Rausch beispielsweise forminstabiles Walz-Blei bzw. Papier derart auffaltet, dass knickende Schwachstellen in Gegenbewegungen wieder in eine Kräftebalance zu den Starkstellen geraten. So werden jene physikalischen Kräfte und Strukturen sichtbar, die sich gleichermaßen universell auch in der Natur wiederfinden lassen. Es erscheint damit nur konsequent, dass er seinen Werken Bildtitel gibt, in denen sich die geologische Terminologie, die Prozessbeschreibung und das Ergebnis gleichwertig gegenüberstehen: Faltengebirge, Bruchkanten, Bruch, Abkantungen, Verwerfungen, Abrisskanten … Die Eigenwilligkeit der Materialitäten kollidiert hierbei nicht selten mit der eigentlichen künstlerischen Absicht, da sich jene Prozesse mitunter nur bedingt kontrollieren lassen. Rausch reagiert darauf, schärft einzelne Prozesse mit weißer oder schwarzer Ölfarbe, schichtet auf und gelegentlich auf erodierende Weise wieder ab. In seinen Feldarbeiten gar mit Feuer, um gelegentlich die Leinwandoberfläche in die dritte Dimension aufzubrechen, um durch diese Unstelle einen Denkraum oder eine Art ‘Krypta’ zu erschaffen. So gelingt ihm eine spannende Symbiose aus den Vorlagen, die oft seinem Kopf entspringen, der Natur und den verschiedenen Materialien. In seinem künstlerischen Werk verbinden sich diese unterschiedlichen Materialien zu einer komplexen Einheit, die zeitgleich mit dem jeweiligen Bildmotiv korreliert. Die Suche nach der Weltformel und dem was die Welt im Inneren zusammenhält treiben Jens Rausch immer wieder an neue komplexe Wege zu gehen und Lösungen zu erschaffen, in denen Zufall. Zeitlichkeit, Prozess, Material und künstlerischer Akt mit dem Sujet und dem Titel zu einer Einheit verschmelzen.
Die sehenswerte Ausstellung von und mit Jens Rausch ist noch bis 6. September im Schloß Königshain zu sehen.
Bild 1: Jens Rausch vor Schloß Königshain
Bild 2: Strukturelles Gebirge (2020), Öl, Kreide auf Leinwand
Bild 3: Karstgebirge (2020), Öl, Gips und Kreide. Graphit auf Leinwand
Bild 4: Geschichte eines Berges, Feldspat, Kalk, Graphit und Eisenoxid
Bild 5: Alchemistischer Mischwald (2020) Asche, Öl, Kupfer- und Eisenoxyd auf Leinwand
Bild 6: Ausschnitt aus einem Baumbild
Bild 7: Sonnenblumen