Als Frau in einer Männerwelt
Die Geschichte ist voll von Frauen, die sich darum bemühen mussten, mehr Rechte zu erhalten oder gar ihre Rechte zu verteidigen. Anlässlich des Internationalen Weltfrauentags sei auf eine Beispielsfigur verwiesen, die vielfältige Spuren in der schlesischen Geschichte hinterlassen hat – so auch in der Numismatik. Die Münze ist in unserer verlängerten Sonderausstellung „Kopf und Zahl – Geschichte des Geldes in Schlesien“ zu sehen!
Dass eine Frau als fürstliche Regentin in Schlesien auftrat, kam nicht oft vor. Luise von Anhalt-Dessau (1631-1680) wurde durch ihre Heirat 1648 mit Christian von Liegnitz-Brieg (1618-1672) Herzogin in Schlesien. Es traf sich nun, dass Christian bereits 1672 verstarb. Zu diesem Zeitpunkt war der gemeinsame Sohn Georg Wilhelm (1660-1675) noch keine 12 Jahre alt – zu jung für den Posten eines Herzogs. Andere männliche Mitglieder der Liegnitzer Linie aus der Fürstenfamilie der Piasten waren bereits verstorben und konnten das Erbe nicht übernehmen. Anstatt einen geistlichen oder weltlichen Berater als Vormund zu wählen, übernahm Luise diese Rolle und damit auch die Regentschaft über das inzwischen erweiterte Herrschaftsgebiet von Liegnitz, Brieg und Wohlau. Das Amt hielt sie von 1672 bis 1675 inne und aus der Zeit sind Münzen überliefert, die ihr Wappen als Hoheitszeichen tragen. Frühzeitig wurde ihr die Regentschaft abgesprochen und Georg Wilhelm zum mündigen Fürsten berufen, da ihre älteste Tochter Charlotte heimlich Herzog Friedrich von Holstein-Sonderburg-Wiesenburg im Jahr 1672 geheiratet hatte. Dies wurde von Beratern als Beweis gesehen, dass sie als Vormund versagt hatte, und bemühten sich darum, ihr die Regentschaft zu entziehen. Nach dem frühzeitigen Tod ihres Sohnes fielen die Herzogtümer als erledigtes Lehen an die böhmische Krone und Luise zog sich auf ihren Witwensitz in Ohlau zurück. Heute noch kann man die von ihr gestiftete Fürstengruft in der Liegnitzer Johanniskirche bewundern, in der auch eine Skulptur von ihr steht.
6 Kreuzer aus der Regentschaft Luises von Anhalt-Dessau
Münzmeister und Wardein: Christoph Brettschneider, Silber, geprägt, Brieg, 1673
Auf der Rückseite sieht man zwei zusammen eingerahmte Wappen unter einem Fürstenhut: links der schlesische Adler, rechts das „askanische Schachspiel“, das auf Luises Herkunft aus der askanischen Fürstenfamilie Anhalt-Dessau hinweist.
SMG 2004/0070, Sammlung Jaschke
Foto: René E. Pech egmontmedien, © Schlesisches Museum zu Görlitz