Große Ereignisse auf kleinen Medaillen, Teil 1
Jetzt, wo sich alle eine „weiße Weihnacht“ wünschen, liegt es nahe, sich eine „Wintermedaille“ in unserer Ausstellung „Kopf und Zahl. Geschichte des Geldes in Schlesien“ näher anzuschauen. Das kleine silberne Kunstwerk mit einem Durchmesser von 2,9 cm ist im Jahr 1740 entstanden und kann den Medailleuren Georg Wilhelm Kittel (in Breslau 1684 geboren und 1769 gestorben) oder dem Vater Johann Kittel (1656 – 1740) zugewiesen werden. Die Medaille zeigt ein Schlittengespann in einer Winterlandschaft, über die ein eisiger Wind bläst. Die andere Seite stellt einen untätigen Bauern dar, dessen Pflug und Spaten ungenutzt bleiben.
Kommt beim Betrachten Winter-Sehnsucht auf? Solche Anflüge vergehen gleich, wenn man die Aufschrift auf beiden Medaillenseiten liest: „Weil Lieb und Andacht sich in Kält und Eis verkehrt / hat hart und langer Frost das arme Land beschwert“. Eine Zeitspanne ist angegeben: „Vom Oktob[er] 1739 / bis in Mai 1740“. Dieser lange Winter wurde offenbar als Strafe für die Menschen gedeutet.
Tatsächlich war der Winter 1739/40 so extrem, wie wir es nicht erleben wollen. Monatelanger Frost ließ ganz Europa erstarren, alle mittel- und osteuropäischen Flüsse und sogar die Ostsee blieben bis zum April 1740 zugefroren. Die Folgen dieses Winterhalbjahres waren dramatisch: Hungersnöte, Epidemien, Kältetote und immense landwirtschaftliche Verluste suchten die Menschen heim.
Die Botschaft der 280 Jahre alten Medaille kann aktueller und treffender nicht sein: Haltet fest an Liebe und Andacht!