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Fazit vom ersten Tag: Wie glaubwürdig ist Högel?

16:29
30.10.2018

Gestanden hat Niels Högel an diesem Vormittag vor dem Landgericht Oldenburg, das schon. Ja, er hat Patientenmorde begangen, das bestätigte er. Einem voll umfänglichen Geständnis allerdings kommt das nicht gleich. Einen so komplexen Fall klärt ein „Ja“ auf die vage formulierte Frage, ob die hundert Mordvorwürfe, so weit er sich erinnern kann, mehrheitlich zutreffen, allein nicht auf. Das zeigte der zweite Teil des ersten Prozesstages in der großen Festhalle der Weser-Ems-Halle, der nun abgeschlossen ist.

„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, sagte Richter Bührmann nach der Mittagspause, und dann fragte er Högel: „Wie viel können wir Ihnen glauben?“ Immer wieder kreiste die Vernehmung in der Folge um die Frage, warum Högel bei den Oldenburger Fällen so mauerte und sich an nichts erinnern können wollte. Högel betonte: „Ich habe damals aus reiner Überzeugung, nicht aus taktischen Gründen gesagt, dass in Oldenburg nichts war.“ Seine spärliche Auskunft zu den Fällen in der Oldenburger Klinik sei „kein taktisches Gelüge gewesen“. Die Vorfälle seien „in einer ganzen tiefen Schublade verborgen“ gewesen, so Högel: „Irgendwann erst fing ich an, diese Dimension zu überblicken.“

Max Seidenfaden